Stellungnahme Bebauungsplan Weißgasse

Anlässlich der offenen Briefe zur geplanten Baulandausweisung in der Weißgasse möchten wir GRÜNE unsere Position ebenfalls kurz erläutern.

Worum geht es?

Ein großes innerörtliches Grundstück mit alten, sanierungsbedürftigen Gebäuden und einem verwilderten Obstgarten soll durch einen Investor neu bebaut werden. Geplant sind mehrere Mehrfamilienhäuser sowie niedrigere Reihenhäuser am nördlichen Rand. Im Gartenbereich muss dazu Bauland ausgewiesen werden. Der Bauausschuss und Gemeinderat haben das Vorhaben mehrfach beraten, mit knappen Mehrheiten.

Unsere Bewertung:

Die ursprünglich recht massive Planung wurde auf Wunsch des Gemeinderats vom Investor mehrfach angepasst. Ein Grünstreifen sowie die großen Bäume  zur Weißgasse hin bleiben erhalten, der Abstand zur Nachbarschaft wurde vergrößert, wenn auch nicht auf das einmal festgelegte Maß. Auch wenn nicht jeder Wunsch erfüllt wurde, sehen wir durch das Vorhaben insgesamt eine sinnvolle Nachverdichtung im Ortskern. Es geht zwar ein relativ kleiner Grünbereich verloren, aber der allergrößte Teil der Fläche ist schon versiegelt. Wenn ein Vorhaben nicht mehr wirtschaftlich realisiert werden kann, kommt es nicht zustande.

Warum wir zustimmen:

  • Kalchreuth verliert derzeit Einwohner (neuerdings haben wir weniger als 3.000 Einwohner*innen) – hier gibt es Handlungsbedarf durch Schaffung neuen Wohnraums
  • Es fehlen neben Einfamilienhäusern insbesondere Wohnungen – für junge Menschen, die von zu Hause ausziehen möchten, aber auch für ältere Menschen, die bspw. ihr Haus nicht mehr selbst bewirtschaften können
  • Leerstehende Flächen mitten im Ort sind langfristig keine Lösung
  • Nachverdichtung ist in Summe ökologisch sinnvoller als neue Baugebiete am Ortsrand

Wir verstehen die Sorge einzelner Anwohner – gleichzeitig sehen wir als gewählte Mitglieder des Gemeinderats unsere Gesamtverantwortung für eine Weiterentwicklung unseres Ortes und daher fühlen wir uns dem Gemeinwohl verpflichtet. Nachhaltige Ortsentwicklung bedeutet, Wohnraum zu schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln. Dieses Projekt an der Weißgasse steht exemplarisch dafür. Wünschenswert wären natürlichandere Strukturen als privatwirtschaftliche Projekte, bspw. genossenschaftliche Vorhaben, diese sind jedoch derzeit nicht in Sicht.

Zur öffentlichen Debatte:

Die Diskussion erinnert uns an zurückliegende Projekte der Gemeinde, etwa die PV-Anlage in Steinwiesen: Grundsätzliche Ziele wie Klimaschutz oder Nachverdichtung werden oft befürwortet – im konkreten Fall aber abgelehnt. Wir meinen: Reden und Tun müssen zusammen gehen. Wer Wandel will, muss ihn auch umsetzen – Schritt für Schritt, vor Ort. Auch wenn es unterschiedliche Sichtweisen gibt, wurde die Entscheidung im Gemeinderat demokratisch getroffen – dies zu respektieren ist Voraussetzung für eine funktionierende Gemeinderatsarbeit. wir stehen zu diesem Prozess.